Fünfeinhalb Stunden

Solange lag ich heute quasi non Stopp auf der Couch, bis ich überhaupt wieder in der Lage war aufzustehen und irgendetwas sinnvolles zu tun. Nein, mich hat es nicht schlimm erwischt. Tatsächlich überhaupt nicht. Wenn es keine Tests gäbe und ich raten müsste, hätte ich gesagt, das hier war ein einfacher grippaler Infekt, mit dem ich vor drei Jahren wahrscheinlich sogar noch arbeiten gegangen wäre, und das vor acht Wochen, das war Corona (ich hatte von jetzt auf gleich knapp 40 Grad Fieber und habe mich mehrere Tage einfach nur elend gefühlt inkl. zweier Tage, die ich kaum aus dem Bett aufstehen konnte, am Ende war es aber wohl nur eine Sommergrippe). Aber ich will mich sicherlich nicht beschweren und dieses Virus bestimmt auch nicht herunter spielen. Ich bin heilfroh, dass ich dreifach geimpft bin und wir es mittlerweile mit einer „harmloseren“ Variante zu tun haben, als im ersten Jahr. Vor allem aber bin ich froh, dass es mein Kind, was nicht geimpft ist, anscheinend auch nicht schlimm erwischt hat. Auch wenn wir alle natürlich nicht, was mit Long Covid ist. Aber zurück zum Thema: Fünfeinhalb Stunden! Noëmi ist seit heute endlich wieder negativ. Es ist Tag 10 ihrer Quarantäne und wir haben heute Morgen beschlossen, sie meinen Eltern zu geben, damit sie endlich mal wieder raus kommt und wir zur Ruhe. Es ist mir ernsthaft schleierhaft, wie Menschen in den letzten zweieinhalb Jahren mehrfach eine 14-Tage-Quarantäne mit Kleinkind überstanden haben, geschweige denn die monatelange Schließung der Kitas oder eine schwere Coronainfektion, während das Kind/die Kinder entweder gar nicht krank waren oder schnell wieder fit und nicht nur betreut, sondern eben auch bespaßt werden wollten. Hui! Und wir hatten einen entschiedenen Luxus: Zwei Wohnungen! Aber der Reihe nach (mal schauen, wie weit ich komme – irgendwann bringen meine Eltern den kleinen Wirbelwind natürlich wieder).

Samstagabend war ich mit zwei Freundinnen verabredet. Da ich für diese Woche bzw. vor allem das Wochenende ja ausschweifende Pläne hatte, hatte ich die Mädels quasi gebeten, dass wir uns bei einer zu Hause treffen und nicht in eine Bar gehen oder so, um das Coronarisiko zu minimieren. Aus dem gleichen Grund hatte ich am Vorabend bei 14 Grad oder so mit meinen Eltern und Noëmi nicht in einem Restaurant gegessen, sondern leicht frierend draußen. Samstag hatte ich erstmal noch eine Menge Kram zu erledigen – M. war die ganze Woche sehr stark auf der Arbeit eingespannt gewesen wegen eines großen Events am Freitag und meine Mama war an der Ostsee mit einer Freundin gewesen, so dass ich die ganze Woche „Kinderdienst“ gehabt hatte. Deswegen nahm M. die Maus gleich nach dem Frühstück mit rüber (unser Leben in Absurdistan muss ich dringen mal in Ruhe aufschreiben) und ich kam erst nachmittags wieder dazu. Da begrüßte mich eine ziemlich schlappe Maus, die eigentlich nicht mehr mittagsschlafmüde hätte sein sollen. Wir hatten kein Thermometer bei M., aber ich fand, sie war warm. Wir sind dann noch kurz mit seinen Eltern auf ein Hoffest vor der Tür und ich hab schnell das Thermometer von mir geholt. Als das Thermometer zurück bei M. dann 38.5 Grad zeigte, dachte ich eigentlich nur „Mist, da wird E. bestimmt etwas nervös werden, wenn ich nachher sage, dass ich ein fieberndes Kind zu Hause habe.“ (Ich war ja schon immer ein kleiner Hypochonder, was Viren, Keime und Co. von anderen angeht, aber seit ich Mutter bin, kann ich jede verstehen, die sich mit niemanden treffen will, der ein wie auch immer erkranktes Kind zu Hause hat.) Da ich die Mädels gebeten hatte, dass wir uns alle vor dem Abend testen (nicht mehr unbedingt eine Selbstverständlichkeit muss ich gestehen), entschied ich, Noëmi nach echt langer Zeit auch einfach schnell zu testen, damit ich guten Gewissens später sagen könnte, dass wir umfänglich gestestet sind. Joah … Ich nahm einen von M. Arbeitstests, wir haben wie immer nicht wirklich akribisch einen Abstrich nehmen können, weil die kleine Maus echt wahnsinnig viel Kraft hat und wir da auch zu zweit kaum eine Chance haben. Ich schaute eigentlich nur auf den Test, um sicher zu gehen, dass die Flüssigkeit hochläuft, da sah ich bereits die Testlinie, noch bevor die Kontrolllinie erreicht war!!! Ich glaube M. dachte ich spinne als ich noch relativ unhysterisch feststellte, dass das Kind wohl Corona hätte. Wir testeten uns dann beide auch gleich und da war ich dann schon etwas … aufgebrachter, weil ich nun mal in solchen Situationen immer die Konsequenzen und nächsten Schritte im Kopf durchgehe. Einfach abwarten und nicht durchdrehen, liegt mir nun mal nicht. Mal davon abgesehen, dass ich mit allem absolut recht hatte, wie es weiterging. Wenn auch mein Körper wieder einmal bewiesen hat, dass er wirklich psychopathische Züge aufweist. Zunächst holte ich aber erstmal noch einen Test von mir drüben. Schließlich hatte das Kind noch kein Corona, sondern erstmal nur einen positiven Schnelltest (ja das ist ein Zitat …). Nach dem zweiten binnen einer Sekunde positiv gewordenen Test, hatte das Kind dann auch für M. Corona. Und ich war echt verzweifelt, wütend, frustriert … Und ich weiß nicht, ob ich schreiben soll „zu meiner Schande“ oder „zu meinem Glück“, aber das Bewusstwerden der vollen Konsequenzen dieser Coronainfektion zu diesem Zeitpunkt hat mich echt erstmal mehr beschäftigt als die Sorge um Noëmi.

Und nun wirklich shame on me, aber ich weiß grade nicht genau, wie es weiter ging. Noëmis Fieber stieg Samstag oder Sonntag auf jeden Fall auf über 39.5 Grad. Wir haben ihr Samstagabend vor dem Schlafen Ibuprofen gegeben. Die Nacht war ok – wir haben bei M. geschlafen (Premiere). Am Sonntagmorgen wirkte sie trotz über 39 Grad ziemlich fit, doch vormittags wurde sie dann ungewöhnlich platt, wollte ins Bett und kuscheln, kuscheln, kuscheln. Ihr ging es offensichtlich wirklich nicht gut und wir gaben ihr wieder Ibuprofen.

… Oh Gott wie konnte ich das schon wieder vergessen????? Die letzten Tage waren echt fies. Ich habe grade in ein paar Whatsapp nachgelesen, wie Samstag und Sonntag verliefen. Noëmi hatte Samstagabend nicht nur Fieber, sondern sich auch zwei Mal übergeben! Ich kannte das zum Glück aus Erzählungen von Freundinnen als nicht seltenes Symptom einer Coronainfektion bei Kleinkindern und war nicht allzu beunruhigend. Und als wir mit meinen Schwiegereltern auf dem Hoffest nachmittags waren, hatte sie außerdem gesagt, dass ihr Knie und Arme weh täten, was mich sehr gewundert hat. Nun weiß ich, die arme Maus hatte Gliederschmerzen. Das war mir tatsächlich alles schon wieder entfallen … Sonntag war sie wie gesagt sehr schlapp, wir sind trotzdem (unerlaubterweise) mit ihr in unseren Garten gefahren, damit sie noch ein bisschen frische Luft bekommen hat und im Sandkasten spielen konnte, bevor M. und ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch positiv und in Quarantäne sein würden. Ihr ging es zum Glück immer besser und abends war sie quasi wieder fit. Sie wollte dann auch nicht, dass wir wieder bei M. schlafen, sondern zu Hause a.k.a. „Mama-Wohnung“, was etwas nervig war, weil ich in dem Glauben, dass wir ab Montag sowieso alle zusammen in Quarantäne sein würden, Spielsachen, Klamotten und meinen Arbeitslaptop mit zu M. geschleppt hatte. Also erstmal ein Teil wieder zurück und bei mir mit ihr geschlafen.

So hier aber erstmal ein Break. Sofern Noëmi morgen trotz noch immer Corona-positiver Eltern (ja, ja Spoiler!!!) in die Kita darf, habe ich ja Zeit weiter zu schreiben. Falls ich nicht erstmal wieder fünfeinhalb Stunden auf der Couch versacke natürlich nur.

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Auf einmal ist Geburtstag ein großes Thema … natürlich!

Ich habe nächste Woche Freitag Geburtstag. Nächste Woche Freitag um 18:00 Uhr muss ich zu einer Einsatzbesprechung in Erfurt sein für das Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit, auf dem ich Samstag bis Montag arbeiten werde. Der liebe Lieblingskollege hatte schon sehr früh vorgeschlagen, dass wir einen Tag früher fahren, damit ich meinen Geburtstag nicht nur mit Hektik am Morgen, letzte Sachen packen, Zugfahrt mit vielleicht unliebsam Kolleg*innen, Einsatzbesprechung und einem mehr oder weniger verpflichtenden Abendprogramm unter Kolleg*innen verbringen muss. Ich hatte das ganz schnell abgelehnt, weil ich natürlich meinen Geburtstag in irgendeiner Form mit meinem Kind verbringen wollte. Ich glaube mein Unterbewusstsein hatte mit dem Gedanken gespielt, sie an dem Tag nicht in die Kita zu geben und einfach Zeit mit ihr zu verbringen. Nun ist aber genau an diesem Freitag in ihrer Kitagruppe Safari-Party und das möchte ich ihr auf gar keinen Fall vorenthalten, weil die Mottopartys immer richtig toll sind! D.h. das Zeit verbringen an meinem Geburtstag mit meinem Kind würde sich tatsächlich auf genau eine Stunde morgens vor der Kita beschränken. Bevor sie aus der Kita zurück wäre, müsste ich schon im Zug sitzen. Mal ganz davon abgesehen, dass M. ja nicht mehr bei uns wohnt und ich wahrscheinlich nach 40 Jahren dann das erste Mal keinen Geburtstagstisch morgens hätte… Noëmi kann das ja schlecht schon organisieren. Deswegen hatte ich mich jetzt doch für die Variante Vorfahren entschieden und zwar in ein sehr schönes Wellnesshotel, wo ich in meinen Geburtstag abends reinfeiern oder zumindest schon mal einen schönen Abend verbringen und dann den halben Geburtstag im Spa entspannt begehen könnte, bevor die Arbeit beginnt. Und ich hatte mich jetzt auch gut damit arrangiert bzw. ehrlicherweise richtig darauf gefreut.

Nun ist Noëmi aber irgendwie seit einer Woche oder so komplett besessen vom Thema Geburtstag! Sie erzählt mehrfach täglich, dass sie bald Geburtstag hat (was ja totaler Quatsch ist) und wer in der Kita so Geburtstag hat/hatte, wie auch immer… Und ich habe mir irgendwie überhaupt nichts dabei gedacht, als ich eben, wo sie schon wieder meinte, sie habe bald Geburtstag, erklärte, dass ICH wirklich ganz bald Geburtstag hätte. Aber da war sie plötzlich ganz aufgeregt (obwohl sie quasi schon im Halbschlaf war) und hat erst Happy birthday angestimmt und dann gemeint „Feiern?! Kerzen auspusten. Kuchen essen!“
Und jetzt zweifel ich natürlich wieder massiv an meiner Entscheidung, die „leider“ durchaus noch rückgängig gemacht werden kann, denn mir hat jetzt die Organisatorin angeboten, dass ich einen Tag später erst anreise, und das Hotel ist auch noch stornierbar. Nicht hilfreich!

Auf die Schlafmütze ist Verlass

Ich war gestern erst um 0.30 Uhr im Bett, weil ich zu lange „The Crown“ geguckt habe. Ich hatte etwas Sorge, dass meine Nacht zu kurz werden könnte und schrieb M. noch, dass er mir die Daumen drücken soll, dass Noëmi bis 8.30 Uhr schläft. Nun bin ich seit 8 Uhr ungefähr wach und sogar ausgeschlafen, weil die Nacht richtig gut war (einmal gegen 3.30 Uhr wach für Milch und einmal um 7.30 Uhr). Und Noëmi? Schläft noch tief und fest – es ist 8.30 Uhr. Die kleine Schlafmütze ist alles andere als eine Frühaufsteherin und freut sich wahrscheinlich auch, am Wochenende ausschlafen zu können. In der Woche kämpfe ich manchmal eine halbe Stunde, um sie wach zu bekommen. Aber mir ist es so lieber, als jeden Tag ab 6 Uhr oder schlimmeres hier Action zu haben, egal ob wochentags oder am Wochenende.

Guten Morgen!

Breaking News: Eine „Wurst!!!“ ins Töpfchen

Ich war grade etwas erstaunt, dass der Eintrag zum ersten Mal Pipi ins Töpfchen schon Ende Oktober letztes Jahr war. D.h. es hat jetzt ziemlich genau neun Monate gedauert, bis number two dazu gekommen ist. Wir machen jetzt aber alles andere als aktives Töpfchen-Training. Ganz im Gegenteil, wir sind da beide ziemlich faul und nicht sehr hinterher, obwohl es grade jetzt im Sommer perfekt wäre, um „zu üben“. Da sie natürlich grade ganz viel nackig im Garten und so rum läuft, hat sie in den letzten zwei Wochen schon zwei mal „frei gemacht“. Einmal ins Gartenhäuschen meiner Eltern (sie hatte sich ganz bewusst zurück gezogen, wir haben es aber nicht gerafft, bis es zu spät war) und einmal jetzt in Frankreich in den Pool meiner Tante … Leider nicht das Babyplanschbecken, sondern in den größeren für die Erwachsenen. Nun ja, passiert.

Vorhin lief sie auch nackig im Garten meiner Schwiegereltern (wir sind seit gestern zurück), wollte aber plötzlich eine Windel. M. dachte ich hätte welche mitgenommen und ich umgekehrt …, so dass das nicht auf Anhieb umzusetzen war (ist uns glaube ich das erste Mal passiert). Und während M. Windeln holte, holte meine Schwiegermutter – anscheinend in weiser Voraussicht – das Töpfchen, das bei ihnen steht. Statt ihr dann eine Windel anzuziehen, schlug meine Schwiegermutter Noëmi vor, erstmal auf’s Töpfchen zu gehen. Das mache ich tatsächlich jetzt auch regelmäßig, wenn grade die Windel ab ist; keine Ahnung, ob das schon als Töpfchen-Training gilt. Ich war auf jeden Fall abgelenkt, weil ich mir grade einen neuen Schreibtisch übers Handy bestellt habe, M. war auch unaufmerksam, aber plötzlich sagte meine Schwiegermutter sowas wie „Hast du Pipi gemacht? Oh, du hast ja sogar mehr als Pipi gemacht!“ Und ich? Ich springe echt auf und brülle über den ganzen Hof „Maus! Du hast Kacka gemacht! Ins Töpfchen! Ich bin so stolz auf dich!“ A-U-W-E-I-A!!! Nun ja. ICH war dann allerdings nicht die, die davon (also der „Wurst!“, wie Noëmi sagte) ein Foto gemacht hat!!! Das war meine Schwiegermutter! Auf dem Handy habe ich es jetzt trotzdem und weiß noch nicht so recht, ob löschen oder nicht. Ähm ja. Noëmi hat sich übrigens null erschreckt. Ich habe es ihr extra nochmal explizit gezeigt und erklärt und sie war glaube ich einfach nur stolz. Daraufhin gab’s auch noch Pipi ins Töpfchen und dann noch ein Miniwürstchen (sorry!). Ich bin ganz überrascht, dass sie sich nicht erschrocken hat, den so kenne ich es von der Kleinen unserer Freunde und auch von der meiner Cousine, sie seit dem ersten Mal so verstört zu sein scheint, dass sie es nicht noch mal gemacht hat und es jetzt sogar „verheimlicht/leugnet“, wenn sie in die Windel gemacht hat. Ich freue mich deswegen umso mehr, dass es für Noëmi jetzt erstmal kein Problem war. Eine Windel wollte sie danach nicht mehr und ich finde es ganz spannend, dass sie schon so bewusst merkt, dass sie muss und es auch kontrollieren, sprich zurück halten kann, bis die Windel um ist. Tatsächlich war das auch Thema beim Entwicklungsgespräch, da Noëmi schon länger bewusst zu warten scheint, bis sie eine frische Windel um hat, um zu machen, weil sie anscheinend nicht in die „volle“ Pipi-Windel machen will. Ist uns auch schon aufgefallen. In der Kita machen sie es jetzt so, dass sie bei den Wickelrunden (es wird natürlich gewickelt, sobald die Windel voll ist, aber darüber hinaus scheint es auch eine feste Wickelzeit zu geben, wo alle eine frische bekommen; ich glaube vor dem Mittagessen), Noëmi als eine der ersten wickeln, damit sie Zeit für ihr Geschäft hat, und dann am Ende gleich normal gewickelt wird. Die kleine Toilette vor Ort hat sie wohl noch nie benutzt – ob es auch ein Töpfchen gibt, weiß ich grad gar nicht.

So jetzt reicht’s aber auch wieder mit dem Thema!!! Eigentlich habe ich einen ganz anderen Beitrag schon halb geschrieben, den ich posten wollte. Aber ich komm‘ ja zu nüscht!

„Mama Mel“

(Angefangen am 27.7.)

Als ich das letzte Mal bei meiner Familie in Frankreich war, gab es Noëmi noch nicht, habe ich grade geschrieben und das könnte man schon als Euphemismus bezeichnen. Als ich das letzte Mal bei meiner Familie in Frankreich war, ist Kryoversuch Nummer drei – Charlie – gescheitert. Einen Tag vor Weihnachten habe ich negativ getestet, am ersten Weihnachtstag schon geblutet und da wir non Stopp von der Familie umgeben waren (die auch noch täglich nach unserer Familienplanung fragte), konnten wir nicht mal in Ruhe traurig sein.

Dreieinhalb Jahre später (#mercicorona) bin war ich nun endlich wieder hier dort. Mit Kind. Ohne Mann. Und auch wenn letzteres gar nicht so unpraktisch war, um gleich den Fragen nach einem zweiten Kind (so klar!) einen Riegel vorzuschieben, ist die aktuelle Situation natürlich alles andere als schön. Und trotzdem ist mir vor Ort nochmal so richtig die … Leichtigkeit aufgefallen, die durch die Erfüllung des Kinderwunsches wieder in meinem Leben ist. Mir ist das so im Alltag gar nicht mehr bewusst meistens, so sehr liegt diese Zeit hinter mir. Aber dann lese ich hier im Blog z.B. eben diese Beiträge von Weihnachten 2018 und ich kann wieder nachfühlen, wie schlimm diese Zeit war und wie sehr ich fast täglich meine Panik davor runter kämpfen musste, dass es nie klappt. Und diese Panik, diese dunklen Wolken sind komplett weg. Und so krass es ist, die Situation mit M. ist für mich nicht annähernd so bedrückend wie es der unerfüllte Kinderwunsch war. Sicherlich liegt das zu großen Teilen daran, dass unsere Trennung ganz anders verläuft, als ich es mir vorgestellt habe. Wir sind weiterhin täglich zusammen, ein Modell wie Kind ist eine Woche bei ihm und eine bei mir, ist undenkbar momentan. Und das trotz seiner neuen Wohnung. Aber am besten ich schreibe dazu mal einen gesonderten Beitrag (wie oft habe ich das schon über verschiedene Themen vor gehabt?). Worauf ich hinaus will, ist, dass diese unglaubliche Last, die mir oft die Luft abgeschnürt hat, einfach weg ist.

Es gab gleich am Sonntag eine Situation, in der mir das extrem aufgefallen ist. Meine eine Cousine und ihr Partner kämpfen leider auch seit längerem mit einem unerfüllten Kinderwunsch. Ich weiß nicht, ob sie schon den Weg in die KiWu-Klinik gegangen sind, aber sie hatte auf jeden Fall auch schon Fehlgeburten. Da ich davon durch meine Mutter wusste und mir ja auf die Fahnen geschrieben habe, dass ich mit diesem Tabuthema breche, habe ich ziemlich schnell das Gespräch darauf gebracht, wie lang und hart der Weg zu Noëmi war. Sie stieg sofort drauf ein und ich konnte diese Qual in ihren Augen sehen und so so so sehr mitfühlen. Kurz darauf lag ich dann mit Noëmi lachend auf dem Boden und mir ist einfach klar geworden: Diese schrecklichen Gefühle, die E. grade durchleben muss, diese Art Existenzangst, weil man nicht nur nicht weiß, wie lange man das noch aushalten muss, sondern schlicht nicht weiß, ob es irgendwann ein Happy End gibt, muss ich so nie nie wieder selber fühlen. Ich bin tatsächlich irgendwie als ein anderer Mensch wieder nach Frankreich gekommen. Ich bin jetzt „Mama Mel“.

PS: Noëmi hat vor zwei Wochen ungefähr entdeckt, dass wir auch Vornamen haben und macht sich jetzt einen Spaß daraus „Mama Mel“, „Papa-M.“, „Mamie-D.“ und „Papy-K.“ zu sagen.

PPS: Liebes Universum, ich möchte dich mit meinem Glücklichsein nicht herausfordern. Ich brauche keine Krankheiten oder schlimmeres für Noëmi, meine Familie oder mich und auch sonst keine neuen dunklen Wolken, danke. Bzw. BITTE!!!

Coffee addict

Als ich das letzte Mal bei meiner Familie in Frankreich war, gab es Noëmi noch nicht. Und obwohl ich da natürlich grundsätzlich schon Kaffee getrunken habe, habe ich hier drauf verzichtet, weil es bei meiner Tante nur Filterkaffee gab/gibt und auch keine Coffee Shops in diesem kleinen Ort. Also gab es für mich morgens zu Baguette und Croissant einfach Kakao und das war völlig ok.

Dieses Mal … ist mir in der Nacht vor der Abreise zum Glück noch eingefallen, dass ich UNBEDINGT meine Bialetti einpacken muss, weil ich ohne ordentlichen Kaffee/Espresso nicht mehr überleben kann! Die Vorstellung, den Morgen ohne Kaffee begehen zu müssen, kommt mir mittlerweile so absurd vor, wie ein französisches Frühstück ohne Baguette!

– geschrieben bei dem zweiten Iced Cappuccino heute –

(M)ein Herz oder „Da, wo jetzt ein 🖤 ist, war mal ’ne Narbe“

Ich wurde nun schon zweimal gefragt, wofür dieses Herz steht. Und sehr viel häufiger, ob es sehr weh getan hat. Diese Antwort ist sehr kurz: Nein, quasi überhaupt nicht. Mein Vergleich ist ein Stabilostift, den jemand punktartig auf die Haut piekst. Schon so, dass man sagen würde „Ey, hör auf“, aber nix, wo man die Zähne zusammen beißen müsste. Und sobald die Nadel abgesetzt wird, hört der – durchaus als interessant zu bezeichnende – Schmerz sofort auf.

Die erste Frage ist für mich auch einfach zu beantworten, es dauert nur länger.

Ich wollte schon seit einiger Zeit ein Tattoo. Mindestens seit 2016/2017. Allerdings soll man sich keins stechen lassen, wenn man plant demnächst schwanger zu werden. Ähm ja. Vorspulen bis März 2020. Ach nee, solange man stillt, bitte auch nicht. Mein Plan war dann – noch vor/in der Schwangerschaft, also pre-Coroni und auch pre-Ehekrise – mir eins während unserer Reise in der Elternzeit stechen zu lassen, so als „Belohnung“ für’s Überstehen der KiWu-Behandlung und Geburt und auch als Erinnerung an diese Zeit. Nun ja.

Irgendwann in dem ganzen Corona-/Leben-mit-Kleinkind-/Trennungswahnsinn ist mir mein Vorhaben wieder eingefallen. Mir fehlte aber so ein bisschen das Motiv. Sehr lange wollte ich ein Polygon-Häschen. Aber richtig überzeugt war ich nicht. Und dann kam Noëmi fast jeden Tag mit einem aufgemalten Herz auf dem Handrücken aus der Kita zurück. Irgendwann sah ich dann bei Insta eine Mama, die sich und ihrem Kind ein Herz in die Handfläche malte. Beim Abschied (Kita, Übernachtung woanders etc) konnten beide ihre Herzen beim jeweils anderen aufladen und wenn das Vermissen zu groß wurde, einfach die Finger fest in die Handfläche drücken und an die andere denken. Und das fand ich so niedlich und berührend, dass langsam die Idee reifte, mir ganz einfach ein Herz am Handgelenk stechen zu lassen.

Ich habe das dann eine Weile sacken lassen und gemerkt, dass ich damit noch zwei weitere Dinge verbinde. Zum einen einen Spruch, über den ich immer wieder gestolpert bin, den ich aber erst als Mutter Elternteil wirklich verstehe: Die Entscheidung, ein Kind zu haben ist von großer Tragweite. Denn man beschließt für alle Zeit, dass das Herz außerhalb des Körpers herumläuft. Und dieses Herz auf meinem Handgelenk symbolisiert für mich so ein bisschen mein „ausgelagertes“ und nun so schutzloses Herz (so kitschig bin ich sonst nicht!). Und dann steht es für mich noch für diesen einen Moment, in dem M. und ich in der KiWu-Klinik gebannt auf den Monitor starrten und in dieser vierten Schwangerschaft endlich zum ersten Mal einen Herzschlag sehen durften.

Dieses Herz hat also unglaublich viel bis ausschließlich mit Noëmi zu tun. Eigentlich so gar nicht „ich“, aber … was soll ich sagen?! Es gibt da so ein Lied von Sido (jaja, ich weiß, aber hey, ich war mit Bushido auf einer Schule …!) – Tausend Tattoos. Und es gibt da eine Zeile, die mich immer sehr berührt und meinen Wunsch nach einem Tattoo bestärkt hat: Da, wo jetzt ein Herz ist, war mal ’ne Narbe. Unter meinem Herz ist zwar keine sichtbare Narbe, aber sehr viele unsichtbare …und für die ganz realen Narben aus der KiWu-Zeit (Entfernung des rechten Eileiters) habe ich auch schon eine Idee!