Alfreddo bist du das?

Wenn du schon sprechen könntest, wäre das einfacher. Momentan kommunizierst du anscheinend durch zweite Striche auf Plastikstreifen mit mir. Und mit so einem digitalen Ding, das mir heute Morgen das s-Wort und 1-2 weitergeleitet hat. Aber so ganz sicher bin ich nicht, ob ich dich richtig verstehe. Bist du wirklich noch da und wächst? Oder erklärst du mir, dass du versucht hast, es dir gemütlich zu machen, und doch entscheiden musstest, dass das mit uns nichts wird? Ich scheine schon jetzt zu anspruchsvoll zu sein und erwarte von dir knallpinke Streifen und eine 2-3 auf dem digitalen Ding. Aber morgen wird uns geholfen. Morgen haben wir einen Dolmetscher. Durch den werde ich morgen Abend hoffentlch wissen, wie es bei dir da drin so aussieht. Falls du dich grade einfach noch nicht entscheiden kannst: Es könnte ganz nett mit uns werden, glaub ich. Heute bis Samstag wird es noch etwas stressig. Dafür gibt es leckeres Essen und natürlich keinen einzigen Schluck Alkohol. Vielleicht riechen wir mal an einem der Weine, was meinst du? Und dann wird’s richtig cool: Wir fliegen nach Sardinien und du bist sowas von herzlich eingeladen mitzukommen! Da geht das mit dem leckeren Essen weiter. Aperol Spritz gucken wir uns natürlich nur von Weitem an. Und Rohmilchkäse und so Kram leider auch, aber das holen wir dann irgenwann beide nach. Sonne wird es da geben und tolle Meeresluft. Vielleicht gehe ich mit dir sogar mal am Strand joggen, wenn du mir ein Zeichen gibst, dass das ok für dich ist. Ansonsten entspannen wir beide einfach. Du wächst schön und ich schone meine Energiereserven für dich. Und ganz vielleicht hörst du vor Ort auch zufällig mal deinen Namen von jemand anderem als M. und mir. Al freddo. Das heißt „in der Kälte“. Da warst du voher, du kleiner Frostie. Keine Sorge, sollten wir uns in ungefähr 36 Wochen persönlich kennenlernen, werden M. und ich uns einen anständigen Namen für dich ausgedacht haben.

Jetzt werde ich mal schauen, dass ich uns Frühstück besorge. Ich höre morgen von dir!

 

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Die Sache mit der Testreihe

…war halt doch eine blöde Idee. Also objektiv war meine Entscheidung dafür total schlüssig. Aber ich hab den subjektiven Part außer Acht gelassen. Aber von vorne:

Erster Test am Samstag war positiv, wie zu erwarten bei noch knapp 20 UI/l HCG im Blut (laut unseren Berechnungen). Der Test am Sonntag war…. ebenfalls positiv. Auch noch keine Überraschung, schließlich noch 14 UI/l laut Tabelle. Aber war er schon schwächer als der davor? Eher nein. Gleich stark oder sogar ein bisschen stärker. Aber funktionieren diese Tests überhaupt so, dass sie so kleine Differenzen aufzeigen können? Vermutlich nicht. Dann spielen noch Faktoren wie Konzentration der Testflüssigkeit mit rein. Also überhaupt nicht aussagekräftig, außer, dass er positiv ist und das auch sein darf dank Spritze. Also musste weiter getestet werden – ist ja auch der Sinne einer Testreihe. Dann schlug allerdings völlig unerwartet Mrs. Subjektiv zu und ich habe die Nacht zu gestern extrem schlecht geschlafen. Denn was Mrs. Objektiv komplett unterschlagen hat: Dadurch, dass ich so spät noch mal nachgespritzt habe (ES+6) kann die Testreihe gar nicht erst ganz negativ werden, um dann hoffentlich wieder positiv zu werden. Laut unserer Berechnung ist das letzte nachweisbare HCG erst ca. an ES+11 raus – da müsste aber ein Test auch schon langsam eigenes HCG anzeigen. Ergo, Ipso facto, Colombo, Oreo könnte schon dieser dritte Test an ES+12 eine Entscheidung bringen. Und genau das hatte ich nicht bedacht. Es war plötzlich keine neutrale Testreihe mehr und die Enayrammiphobie* schlug wieder voll zu.

Als ich den Test anschaute hatte ich das Gefühl er sei sehr sehr schwach. Allerdings hatte ich grad erst die Kontaktlisten eingesetzt, sah etwas verschwommen und war einfach nur panisch. Für mich war es das. Ich hätte heulen können. Es fühlte sich an, wie…. immer! Ein (quasi) negativer Test, das Ende aller Hoffnung, und damit konnte ich überhaupt nicht umgehen. Der Mann schaute quer über den Tisch, wo ich den Test in die Reihe legte und meinte, er sei doch positiv und eigentlich doch sogar stärker als die davor. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Test angestarrt habe. Bis ich das Blatt irgendwann umgedreht habe – um es wieder und wieder umzudrehen und draufzustarren. Ja, der Test sah positiver aus, ABER er war ja auch noch nass und die anderen trocken. Also das Foto rausgekramt vom Vortag, als ich den da ebenfalls noch nassen Test neben dem ersten fotografiert habe und nun versuchte diesen mit dem neuen zu vergleichen. Andere Lichtverhältnisse. Es war zum Verzweifeln. Und das größte Problem: Ich war verzweifelt! Und ich wusste nicht mal, warum? Hatte ich einen knallpinken Test erwartet? Hatte es mich erschrocken, wie heftig ich auf die Möglichkeit, einen negativen Test in den Händen zu halten, reagiert hatte? Und auch da: Was hatte ich denn erwartet? Dass mich das Schicksal von Alfreddo kalt lässt, so wie es mich die letzten Monate vor der ersten IVF irgendwie kalt gelassen hatte, wenn die Mens kam, weil ich sowieso mit nichts anderem gerechnet habe?

Auf Arbeit – wo ich eigentlich wirklich wirklich arbeiten muss momentan – starrte ich Massen an Testreihen im Netz an und verglich sie mit meiner. Dann schrieb M. mir irgendwann, dass er sich jetzt mal Tests im Netz angeguckt hätte und an ES+12 müssten die noch gar nicht anschlagen bzw. sähe „unserer“ dafür echt gut aus. Also starrte ich Massen an ES+12-Tests von Babytest an und verglich sie mit meinem. Dann entschied ich irgendwann, dass ich einfach abwarten müsse, bis ich zu Hause war, um zu gucken, wie er trocken im Vergleich zu den anderen beiden aussieht. Dennoch fing ich langsam an zu überlegen, ob ich wirklich weitertesten wollte.

Zu Hause sah der Test eindeutig ein bisschen stärker aus als die anderen beiden. Zumindest nicht schwächer. Egal in welchem Licht. Und heute Morgen immer noch. (Nein, ich möchte wirklich wirlich wirklich keine Kommentare dazu. Bitte! Natürlich möchte ich lesen, dass der Test stärker ist. Aber das hilft alles nix. Also bitte nicht. Wirklich. Das ist hier nur zu Dokumentationszwecken. Rein wissenschaftlich.)Weiterlesen »

Außerhalb der Reihe: Der Juni

Gemeint ist der Juni 2017. Letztes Jahr. DER Juni. Ein Monat, auf den ich hier immer mal Bezug nehme, ohne dazu wirklich mal was geschrieben zu haben, außer ganz kurz und schmerzlos (…) in der Chronik. Auch jetzt möchte ich es irgendwie schnell hinter mich bringen. Es am liebsten gar nicht aufschreiben. Aber ich wollte das immer mal hier „verewigen“. Und irgendwie will ich es jetzt machen. Bevor sich Alfreddo entscheided.

Im Juni 2017 war ich schwanger. Ganz kurz. Ein bisschen sozusagen. Doch so viel, dass ein digitaler Schwangerschaftstest es ohne zu zögern angezeigt hat, so viel, dass ich ein Schwangerschaftstagebuch angefangen habe, so viel, dass wir ein Foto machen mit der SSW drauf, so viel, dass ich Angst hatte, es zu verlieren, so viel, dass ich ein Schwangerschaftsbuch gekauft habe und so viel, dass meine Frauenärztin auf meinen Krankenschein den Code für „drohender Abort“ geschrieben hat.

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Der Juni 2017 begann am 28. Mai mit dem Start in Übungszyklus 6 und endete am 6. Juli mit dem Beginn des nächsten Übungszyklus. Im Juni 2017 hatte ich meinen Eisprung am Zyklustag 21. Das war ein Samstag. Den Tag vorher (dank Ovu bestimmt) nutzten wir noch schnell, bevor M. zu einem Staffellauf musste. Am Tag selber fuhren wir nach Dresden zu Freunden und waren abends zu müde, um auf Nummer sicher zu gehen.

In den knapp zwei Wochen danach hatte ich einen abendlichen Geschäftstermin, M. und ich ein Essen mit Freunden, eine Feier und einen großen Streit. Ich trank an allen Terminen Alkohol. Aber wenig. Bei dem Streit an ES+7 dachte ich, wie soll sich da was einnisten?

Im Juni wusste ich, dass meine zweiten Zyklushälften nicht 14 Tage lang sind, sondern eher 12 und ich an ES+11 bereits eine Schmierblutung bekomme. Fünf Monate üben waren vergangen und das letzte Einsetzen der Mens war zum ersten Mal schmerzhaft, frustrierend, besorgniserregend. Sollte es in diesem Zyklus wieder nicht klappen, wollte ich die Frauenärztin bitten, ein Hormonscreening zu machen oder was man sonst so bei mir testen kann. M. hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein unauffälliges Spermiogramm in der Hand. Wir wollten früh wissen, ob wir umsonst jeden Monat alles daran setzen, so schnell wie möglich schwanger zu werden, nachdem wir uns so viele Jahre Zeit gelassen hatten.

Der Juni 2017 wurde zu „DER Juni“ als ich bei ES+11 einen Test machte. Ich hätte bereits eine Schmierblutung haben sollen. Hatte ich nicht. Und irgendwie hatte ich so ein Gefühl. (Ich war die letzten Tage ständig auf die Toilette, weil ich sicher war, dass es los ging und weil ich ständig musste.) Ich machte – wie in der krakeligen Handschrift oben zu entziffern – fünf Tests auf einmal. Einen Ovu (warum, weiß der Teufel), einen One Step, einen David, ich glaube noch einen anderen und einen von den SST gleich nochmal, weil ich mich bei der Reinhaltezeit vertat. Auf den Schwangerschaftstests waren Schatten. Schatten. Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht oder gefühlt habe. M. und ich waren uns einig, dass sei noch gar nichts, morgen nochmal.

Die Nacht war merkwürdig. Ich war mir sicher, schwanger zu sein. Alles spannte. Ich schrieb später in das Tagebuch, dass es sich angefühlt hätte wie „under construction“. Am nächsten Morgen – 29. Juni, ES+12 – machte ich statt eines Billigtests kurzerhand den Clearblue Digital mit Wochenbestimmung, den wir im März in Australien gekauft hatten, als ich zum ersten Mal das Gefühl hatte überfällig zu sein, weil meine 2. ZH einmalig 14 Tage lang war. An dem Morgen in Sidney, als ich den Test machen wollte, überraschte mich das Massaker. Diesen Test machte ich also jetzt. Und während die Sanduhr blinkte, putzte ich mir die Zähne…. und wusste ganz genau, was der Test mir sagen würde.Weiterlesen »

Der Beginn einer wunderbaren… Testreihe

Wie schon mir selbst angedroht, will ich diesmal so eine famose Testreihe machen. Ich will am Freitag nicht unvorbereitet den entscheidenden Anruf tätigen, da ich aber neben der Auslösespritze noch zweimal nachspritzen musste, ist das mit einem einzigen Pipitest am Freitagmorgen leider nicht getan. Also habe ich mir eine Ladung Schwangerschaftstests im Internet bestellt und heute Morgen ging’s los. Ein alter David-Test hat ja brav am Donnerstag gezeigt, dass ich grundsätzlich zwei Streifen zaubern kann. Der Test heute Morgen hat es bestätigt. Damit das Ganze auch ordentlich zugeht und vor allem sinnvoll ausgewertet werden keann, hat der Mann mir eine schöne Excel-Tabelle gebastelt, in die ich dann auch die Tests kleben werde (ein bisschen Igitt ist das ja schon, aber was macht man nicht alles…?).

So sieht das aus:

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Die Tests sind von Babytest (wie originell!) und 10er, wie es so schön heißt. Die drei Spritzen akkumuliert und unter Berücksichtigung, dass Urin dem Blut immer zwei Tage hinterherhängt, sollten heute also noch knapp 20 IU/liter nachzuweisen sein. Der Test ist positiv, nicht knallig, aber auch nicht nur ein Schatten. Passt also alles. ES+10 erwarte ich auch noch kein eigenes HCG, auch wenn unter meinen Leserinnen mindestens eine Dame ist, die an Es+9/10 einen ordentlichen Schatten hatte (bitte hier Smiley dazudenken).

So und da das hier eigentlich mal als hilfreicher Blog gedacht war, ein bisschen was zu diesen Testreihen.

Manche Auslösespritzen, wie in meinem Fall Brevactid, sind nichts anderes als menschliches HCG (nein, ich möchte jetzt nicht näher darüber nachdenken). Dass diese einen Schwangerschaftstest verfälschen, muss nicht erklärt werden. Wenn Frau nun also feststellen möchte, ob ein Schwangerschaftstest an Tag X ihr irgendwas bringt, muss sie wissen, ob noch Reste der Spritze im Körper sind oder der Test nur auf selbstproduziertes HCG reagiert und somit aussagekräftig ist. Die Formel zur Berechnung findet man überall im Netz – auf wunschkinder.net sogar ein praktischer Onlinerechner, bei dem man nur seine Werte eingeben muss – ich werde sie hier nur aufschreiben, nicht aber erklären.

A= Gewicht in KG x 0.7

B = IE der HCG-Spritze

B/A = Wert, der im Körper nachzuweisen ist (im Blut!)

Dieser Wert halbiert sich alle ein bis zwei Tage – um sicher zu gehen, nehmen wir also alle zwei Tage und ich persönlich habe in die Tabelle noch einbauen lassen, dass die Werte im Urin bekanntlich denen im Blut um zwei Tage hinterherhinken (der oben verlinkte Rechner zeigt die Blutwerte an).

Was genau vespreche ich mir von der Testreihe?

Ich weiß, dass das Ergebnis nicht eindeutig, endgültig, aussagekräftig oder sonst etwas erstrebenswertes sein wird. ABER… wie schon mehrfach erwähnt, will ich aufgrund der besonderen Umstände auf das wahrscheinliche Ergebnis des Bluttests vorbereitet sein. Es gibt folgende drei Szenarien, wenn man zu Grunde legt, dass die Tests rein vom HCG-Wert der Spritzen ab jetzt immer schwächer werden und spätestens Dienstag oder Mittwoch negativ sein müssten:

  • Szenario 1: Habe ich Donnerstag- und Freitagfrüh komplett weiße Tests, ist die Sache ziemlich klar und der Bluttest kann mich nur noch positiv überraschen.
  • Szenario 2: Werden die Tests in den nächsten Tagen erst schwächer und dann wieder stärker, kann ich davon ausgehen, dass ich dank Alfreddo eigenes HCG produziere, es also zumindest zu einer Einnistung gekommen ist. Oder zumindest zu einem Versuch. Denn ich bin weit davon entfernt, mich bei diesem Szenario wie verrückt zu freuen, dass ich schwanger bin. Nein, ich werde mich freuen, dass es zumindest nicht negativ ist und mit Spannung das Ergebnis des Bluttests abwarten.
  • Szenario 3: Bleiben die Tests bis Freitagfrüh konstant gleich stark/schwach, habe ich die falschen Tests gewählt. Was durchaus möglich ist, weil es eigentlich sinnvoller wäre mit 25er zu testen, da die 10er viel zu sensibel sind; bei den Babytest gibt es sogar Gerüchte, sie schlagen schon bei 4-5 UI/liter an. Neben der falschen Testwahl kann es aber auch einfach sein, dass mein Körper HCG langsamer abbaut. In diesem Fall bzw. wahrscheinlich auch beim zweiten Szenario werde ich Donnerstag oder Freitag noch weitere Tests zu Hilfe nehmen, nämlich sowohl einen 25er Test als auch ggf. sogar den Clearblue mit Wochenbestimmung, für den es nämlich praktische Tabellen im Netz gibt, ab welchen Werten er welche Wochenangabe macht. Alles zusammen sollte mir zumindest einen Anhaltspunkt geben, in welche Richtung es geht.

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Is there anybody in there?

Ein kleiner Statusbericht drei Tage nach dem Transfer…

Die anfängliche Euphorie ist etwas der gewohnten Unsicherheit gewichen. Ich bin ja auch noch im Training was dieses Positivdenken angeht. Es ist so furchtbar abstrakt irgendwie. Ist da wirklich jemand drin? Oder ist schon wieder alles vorbei? Schrödingers Mel halt. Immer ein schwieriger Zustand. Ich würde zu gern in mich reingucken können – und zwar definitiv nicht sinnbildlich. Am Montag war das irgendwie einfacher, da wusste ich, dass Alfreddo da grade rein gesetzt wurde. Konnte ihm gut zureden. Aber jetzt? Jetzt ist er schon wieder ein Phantom. Eine tote oder lebendige Katze Zellkugel.

Jetzt mache ich mir schon wieder Gedanken, wie es sein wird, wenn es am Freitag negativ heißt bzw. mein Körper mir schon am Mittwoch mitteilt, dass Alfreddo doch nicht bleiben wollte. Zum Glück bin ich mir sicher – nein, weiß ich! -, dass das normal ist. Warteschleifenkoller. Einerseits etwas früh dafür, andererseits bin ich schon ES+8. Also alles gut. Heute oder morgen kommt meine Bestellung Schwangerschaftstest. Mal gucken, wann ich mit so einer berühmten Testreihe anfange. Gestern habe ich schon mal getestet, ob mein Körper grundsätzlich zweistrichfähig ist. Ist er. Ein alter SST und ein zweiter Strich (gute Therapie gegen die Einstrichphobie). Aber bevor hier jemand Schnappatmung bekommt: Ich musste/habe Dienstag noch mal 1500 I.E. Brevactid nachgespritzt. Der doppelte Boden und so. Jetzt darf ich auch mal diese tollen HCG-Abbaurechner benutzen und gucken, um zu gucken, ab wann die Tests nur Alfreddo-produziertes HCG anzeigen müssen. Ohne Brevactid wär’s natürlich leichter: einfach abwarten, ob Mittwoch die Mens einsetzt und wenn nicht, Donnerstag oder Freitag testen. Aber was soll’s. Ich habe mich ja dafür entschieden, dann muss ich auch mit den nervigen Konsequenzen leben. Und vielleicht ist so eine Testreihe ja auch psychologisch sanfter, als dieser eine, einzige Test, der innerhalb von wenigen Minuten alles entscheidet. Ich bin gespannt und berichte.

Jetzt muss ich zurück ins Büro, wo ich zum Glück bis Ende nächster Woche genug zu tun habe, um gut abgelenkt zu sein und kaum Zeit zum Grübeln und vor allem Googlen habe. Perfektes Timing.

Und wenn das Wetter wieder schöner wird, bin ich bestimmt auch wieder positiver und glaube ganz fest, dass sich Alfreddo da drin grade häuslich einrichtet.

Zwei Mal Akupunktur und ein Mal Alfreddo an Board

Alfreddo? Alfreddo! Als ich da so mit der ersten Runde Nadeln im Körper lag und immer mal wieder auf das Bild von dem Alphafrostie schielte, was mir die Biologin (die gleichzeitig die Akupunkteurin ist) gleich zu Anfang schon gegeben hatte, dachte ich plötzlich: Alfreddo! Al und fr vom Alphafrostie, italienisch, weil wir mit „ihm“ dann gleich zwei Wochen nach Italien (Sardinien) fahren werden, sobald wir es wissen, und freddo… naja das erklärt sich von selbst. Eigentlich sollte der Projektname ja Urmel werden. Aber nun gut, nicht selten haben Eltern ihren Kindern im Kreissaal nach der Geburt plötzlich doch nicht mehr den seit Monaten feststehenden Namen gegeben, sondern einen ganz anderen. Da darf ich meinen Zellhaufen jetzt wohl auch erstmal nennen, wie ich mag.

Aber von vorne: Ich war kurz vor 12 Uhr in der Klinik und kam in einen normalen Transferraum, was mich etwas verwundert hat, weil ich irgendwie dachte, die Akupunktur wird in einem Extra-Raum mit richtiger Liege gemacht und nicht auf einem quasi Gynstuhl. Die Akupunktur-Biologin (so nenne ich die mal) kam dann gleich rein, übergab mir das Foto (weitere Erklärung dazu später) und machte mir den Stuhl so zurecht, dass ich sehr bequem liegen konnte. Und dann wurde gepiekst. Bei der ersten Runden gab es Nadeln in folgende Bereiche:

  • mitten auf dem Scheitel
  • beidseitig auf dem Spann
  • beidseitig seitlicher Unterschenkel
  • auf oder kurz über dem Schambein
  • in den Leisten (auf Höhe der Eierstöcke)
  • Handgelenke innen
  • beidseidig Ohr (recht weit oben)

Das Einstechen der Nadeln hat interessanterweise teilweise überhaupt nicht weh getan oder nur kurz gepiekt, was dann sofort wieder nachgelassen hat, so wie es auch soll. Man vergisst die Nadeln also komplett.

Ich durfte dann 30 Minuten ruhen, mit Decke vorsichtig über mir (es stachen ja überall Nadeln aus mir raus – sah bestimmt lustig aus) und Wärmflasche an den Füßen. Mir wurde angenehm warm und obwohl ich noch über so einiges nachdachte – Alfreddo und Bluttesttermin und Ultraschalltermin – bin ich ziemlich schnell weggedöst/eingeschlafen, was wohl auch gewollt war. Als sie mich dann entnadelte, war ich immer noch ganz düselig. Dann kamen auch schon Schwester und Ärztin (wieder mal eine ganz andere….), um mich auf den Transfer vorzubereiten. Das Öffnen des Muttermundes war diesmal ziemlich unangenehm, auch die Reinigung dieses. Dann durfte ich auf dem Monitor wieder mit ansehen, wie der Zellhaufen in die Pipette gesogen wurde, wie in einen Staubsauger. Dann kam die Akupunktur-Biologin rein: „Hier ist der Embryo von Frau Ostermann.“ Das hörte sich irgendwie toll an. Dann rein damit (sorry, Alfreddo, ist einfach echt nicht romantisch das Ganze), dann Akupuntur-Biologin mit Pipette wieder raus, um zu prüfen, ob der Zellhaufen auch brav draußen ist, kurzes ok und das war’s schon. Die Ärztin wünschte mir noch viel Glück oder Erfolg oder so und sagte nochmal, dass „es“ ja wirklich sehr gut aussähe. Schon bei der kurzen TV-Show meinte sie, dass die Blastozyste sehr gut entwickelt sei. Das hört man doch gerne vom Nachwuchs.

Danach lag ich noch kurz so auf der Liege, bis die Akupunktur-Biologin wieder kam für die zweite Runde pieksen. Diesmal waren die Punkte wie folgt:

  • beidseitig überhalb des Knöchels außen
  • beidseitig unterhalb des Knies innen
  • beiseitig überhalb des Knies außen
  • im rechten Ohr (sie fragte mich vorher, ob ich rechtshändig sei) gleich drei Nadeln
  • beidseitig in dem weichen Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger (Handrücken)
  • zwischen den Augen (da fragte sie, ob ich das möchte)

So lag ich dann 25 Minuten und diesmal wurde ich nicht müde, sondern eher wach und einfach gut gelaunt. Voller positiver Energie. Weiterlesen »

Warum es diesmal klappt

  • Weil ich es endlich geschafft habe den seit letztem Jahr zickenden Zahn fertig behandeln zu lassen. Ich habe es immer und immer wieder verschoben, weil der Termin in der Warteschleife lag und damit auf jeden Fall eine fette Betäubung einherging, was schwanger oder vielleicht-schwanger nicht geht. (Von wegen Nicht dem Maybe-Baby schaden, you know…) Aber jetzt ist er fertig.
  • Weil ich heute am fast letzten möglichen Tag vor dem Transfer meine Ansätze habe färben lassen. Nicht wie beim letzten Mal schon mit Zellkugel an Bord – was ich nie wieder machen würde. Aber trotzdem so knapp vorher, dass ich so spät wie möglich in den ersten 12 SSW das Bedürfnis haben werde, nachzufärben, und dann entweder schon die Friseurin einweihen oder eben noch bis zum offiziellen Verkündungstermin aushalten kann, um dann eine schwangerentaugliche Methode zu wählen.
  • Weil ein Mai-Baby aus gleich zwei Gründen perfekt ist. Zum einen ist es quasi schon ein Sommerbaby (was wir immer wollten), ohne dass ich mich aber als Hochschwangere druch so einen heißen Sommer wie den diesjährigen quälen muss. Zum anderen, weil es exakt ein Jahr vor der Pensionierung meiner Chefin ist und das grade noch so hinhaut – dann könnte ich nämlich ggf. nur 10 Monate Elternzeit nehmen. Jeder Monat später wird, was das angeht, vom Timing immer schlechter.
  • Weil ich grade still und heimlich Karmapunkte sammle. Ich habe nämlich beschlossen, für den GAU eine Babyparty zu geben. Beim Super-GAU musste ich mich zum Glück nicht damit auseinandersetzen, weil eine andere Freundin (und ihre Trauzeugin) sich darum kümmert. Aber für den GAU wird das niemand anderes machen und ich möchte es auch gerne machen. Egal, in welcher Situation ich dann grade bin. Und wenn wir schon mal dabei sind: Dem Super-GAU habe ich gestern mal gut zugeredet. Die anderen Mädels (Muttis!) schreiben ihr nämlich grade ständig, was sie alles noch genießen soll, „weil das ja dann alles nicht mehr geht und überhaupt es so nie nie wieder wird“. Ich finde das total dämlich. Nicht nur, weil ich der Meinung bin, dass das größtenteils Bullshit ist, sondern auch, weil sie doch wissen, dass es nicht ihr bedingungsloser Wunsch war, schwanger zu werden, sondern fast schon ein kleiner Unfall, und sie ziemlich damit hadert, ob sie das überhaupt wirklich will. Da finde ich solche Kommentare extrem unangebracht. Habe sie deswegen mit den Positivbeispielen aus unserem anderen Freundeskreis beruhigt.
  • Weil mein letztes Glas Alkohol unser Hochzeits-Champagner gewesen ist. Davon hatten wir nämlich noch eine Flasche aufgehoben und sie am Mittwoch zusammen mit unserem Lieblingspärchen getrunken. Und ich habe so oft in der Warteschleife rekapituliert, was dann eigentlich das letzte Glas Alkohol gewesen wäre. Oft war es ein schlechtes Glas Wein oder Gin Tonic auf einer blöden Party oder ein Glas Sekt auf Arbeit, was ich nur getrunken habe, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Das fand ich immer ziemlich blöd. Andererseits wollte ich auch nie bewusst „das letzte Glas“ trinken, weil das dieses dämliche Universum doch sowieso nur dazu anspornt, mir in die Parade zu fahren (das Englische rain on my parade finde ich in dem Zusammenhang ja schöner…). Der Hochzeits-Champagner ist also in jeder Hinsicht perfekt. Und überhaupt…
  • Weil es der Hochzeitstagzyklus ist.
  • Weil es der Alphafrostie ist, von dem wir sowieso irgendwie schon ganz liebevoll sprechen.
  • Weil die beiden Betafrostie als Back-up perfekt sind, falls uns irgendwann doch das Thema Geschwisterchen packt. Eine ganze IVF würde ich glaube ich nicht mehr machen. Und da wären doch ein oder zwei mögliche Kryotransfers im entspannten Spontanzyklus ein guter Kompromiss à la „wenn es klappt, klappt es, wenn nicht, soll es eben nicht sein“ (natürlich neben der zumindest theoretischen Möglichkeit, dass es auch auf natürlichem Weg noch klappen könnte).
  • Weil ich endlich meinen Frieden gemacht habe mit der verkorksten und abgebrochenen 2. IVF. Das ist mir grade gestern nochmal bewusst geworden, als die Leidensgenossin aus dem Forum, die zeitgleich mit mir Punktion hatte und dann mit der eingesetzten Blasto schwanger geworden ist, während ich auf meine OP wartete und meine Blastos zu Frosties wurden, schrieb, dass sie jetzt in der 12. SSW eine Ausschabung hat…. Es tat mir unendlich leid und gleichzeitig war ich froh und auch stolz auf mich, dass ich es nicht riskiert habe (sie war nicht in einer ähnlichen Situation, aber sie war halt mein direkter Vergleich zeitmäßig). Was hätte es mir gebracht, elf Wochen schwanger zu sein und jetzt wieder ganz am Anfang zu stehen? Mit einem Rückschlag, den man kaum verkraften kann. Das heißt auch…
  • Weil sich Reculer pour mieux sauter erneut auszahlen wird.
  • Weil ich weder übermäßig optimistisch noch pessimistisch bin. Eine gesunde Balance. Realistisch vielleicht? Ich glaube an den Alphafrostie und unsere guten Chancen. Heute Nachmittag rief plötzlich die KiWu-Klinik an. Aber ich habe mich überhaupt nicht erschreckt und mir in dem Bruchteil der Sekunde, bevor ich rangegangen bin, nicht überlegt, ob der Transfer ausfällt, mit den Blastos was nicht stimmt oder oder. Ich bin einfach rangegangen. Es ging auch nur darum, dass sie mir morgen erst bestätigen können, ob der Termin Montag wirklich um 13 Uhr ist oder es wegen der Akupunktur drumherum noch verschoben wird. Ich habe nett mit der Schwester geplaudert und gemerkt, wie sehr ich mich auf den Transfer freue. Ohne Angst. Ohne Sorgen. Aber ich bin auch nicht komplett darauf versteift, dass es ununununbedingt jetzt klappen muss, sondern plane schon den zweiten Kryotransfer (der zeitlich allerdings mit dem Urlaub kollidieren könnte, aber darüber breche ich mir zu geigneter Zeit den Kopf. Jedes Problem zu seiner Zeit.).
  • Weil… Punkt!