Von Enantone, mysteriösen blauen Flecken und einem Baby im Bett

Momentan bin ich auf Arbeit wieder ziemlich beschäftigt, so dass ich mich zum Glück kaum mit dem ganzen KiWu-Thema auseinandersetzen kann. Was gut ist. Sehr gut sogar. Auch wenn es mich irgendwie auch mental von dem Thema entfernt und ich manchmal Sorge habe, dass ich mich insgesamt von dem Thema enferne… Allerdings kommt dann wieder so ein negativer Test daher und ich bin tief traurig. Zumal der negative Test zwei Tage vor M.s Geburtstag war – ES+12 – und ich wider besseren Wissens einmal wieder gehofft hatte, dass der perfekte Zeitpunkt für eine Verkündigung doch einfach ein positives Ergebnis herbeizwingen muss. Natürlich war dem nicht so, wirklich damit gerechnet habe ich ja auch nicht, nachdem ich das Chaos in meinem Körper letzten Freitag live auf dem Ultraschallbildschirm sehen durfte. Aber gegen die Enttäuschung kommt man dennoch nicht an, auch wenn sie nach der langen Zeit und nach solchen sowieso mit wenig Hoffnung verknüpften Zyklen nicht mehr lange währt. Der Mann hat zum Geburtstag dennoch Babysöckchen bekommen. Die ersten Babysachen überhaupt, die in diesen Haushalt Einzug halten. Und sie waren auch nicht in falscher Hoffnung als Ankündigungsgeschenk gekauft worden, sondern als genau das, was sie dann auch geworden sind: Ein Verprechen. Dass ich nicht aufgebe. Dass ich noch daran glaube. Dass ich noch durchhalte. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das mal „gesagt“ werden musste. Irgendwie entfernen wir uns nämlich beide grade ein bisschen von dem Thema und vielleicht auch ein bisschen voneinander. Aber wahrscheinlich bringt das die Situation einfach irgendwann mit sich. Und vielleicht ist es auch der einzige Weg, nicht völlig an dieser zu Grunde zu gehen. Wir müssen einfach durchhalten. Die Zeit so gut es geht überbrücken. Denn noch sind wir lange nicht an dem Punkt, wo wir über Aufgeben oder Alternativen nachdenken müssen. Da bin ich mir ganz sicher. Zwischenzeitlich – also vor allem nach dem Baby-Overkill-Wochenende – hatte ich ja das Problem, dass ich nicht mehr sicher war, ob sich das alles lohnt. Ob das Ziel wirklich so erstrebenswert ist. Interessanterweise habe ich mich darüber mit dem weiblichen Teil unseres Lieblingspärchens (E.) unterhalten. Und sie berichtete von einem Paar, das auch lange lange gebraucht hat zum vermeintlchen Babyglück (#11½ btw) und jetzt, wo der Kleine da ist… in eine ordentliche Depression gerutscht sind, weil die Realität alles andere als die herbeigesehnte ist. Ich glaube deshalb, dass M. und ich das schon ganz richtig machen mit unserem Pragmatismus. Natürlich macht es die ganze Tortur der KiWu-Behandlung noch ein bisschen schwerer, wenn man nicht rosarotverblendet von dem zukünfigten Baby träumt, aber es bewahrt uns hoffentlich vor einem zu tiefen Sturz. Natürlich habe ich trotzdem Angst davor, dass wir noch weitere Monate (bitte bitte keine Jahre!) darauf hin arbeiten und dann hier sitzen und uns trotz unseres Pragmatismus fragen „Echt jetzt – dafür?!“ Aber seit heute Morgen habe ich wieder etwas weniger Sorge deswegen. Heute Morgen hatten wir nämlich ein Baby im Bett. Gleich nach dem Aufwachen. Unser Lieblingspärchen hat nach der Party gestern Abend einfach spontan unsere neue Schlafcouch eingeweiht. Nach nur fünf Stunden Schlaf war unser aller Nacht vorbei (M. und ich waren aber auch von alleine wach) und E. stand vor unserer Schlafzimmertür und hat uns die kleine Maus einfach ins Bett gelegt. Ich war erst…. irritiert? überfordert? überrascht?…, aber es war so nett irgendwie! Und da wusste ich auch wieder: Das will ich auch. Dafür lohnt es sich, einfach noch ein bisschen durchzuhalten. Ob das alles so unglaublich unfair ist, dass ich manchmal denke schreien zu müssen, oder nicht. Ganz egal. Wir müssen nur irgendwie durchhalten.

Puh, eigentlich sollte das doch gar nicht so ein Post werden. Aber irgendwie hat sich da doch einiges angestaut in den letzten Tagen, in denen ich zu beschäftigt war, mich mit dem Thema bewusst zu befassen.

Jetzt aber zu den Fakten. Seit über einer Woche habe ich das Enantone-Depot im Bauch. Von dem Knubbel merke ich allerdings nichts mehr, aber da ist ja auch genug Mopplichkeit, um das zu verdecken…. Nebenwirkungen habe ich offiziell auch (noch) überhaupt gar keine. Meine Regel kam superpünktlich an ES+14, war zwar insgesamt etwas stärker, aber wie immer seit einigen Monaten nach drei Tagen auch wieder vorbei. Allerdings ist seit Ende der Woche etwas sehr merkwürdiges aufgetreten: Ich habe überall an den Beinen blaue Flecken! Ich bekomme zwar auch schnell welche, wenn ich mich stoße, und bin grundsätzlich so ungeschickt, dass ich mich oft stoße. Das jetzt hat aber ein Ausmaß angenommen, was echt nicht normal ist – zumal auch an Stellen, an denen ich mich defintiv nicht gestoßen habe -, und vor allem habe ich in der rechten Kniekehle ein so riesiges und böse aussehendes Hämatom, dass ich mir und auch der Mann gestern echt Sorgen gemacht haben. Da ein Zusammenhang mit dem Enantone nahe liegt, habe ich kurzerhand die Notfallnummer der KiWu-Klinik angerufen und auch gleich den Chefarzt persönlich dran gehabt. Der hat mir jedoch versichert, dass das Enantone damit überhaupt nichts zu tun haben kann. Ganz davon abgesehen, dass das Depot erst kommende Woche zu wirken anfangen werde – hier ein kleinere Einschub: Wie großartig, und ich hatte mich schon gefreut, dass ich anscheinend auch psychisch so hormonresistent bin, dass ich keinerlei dämliche Nebenwirkungen habe….! -, seien Hämatome einfach keine Nebenwirkung von Enantone. Also werde ich das diese Woche wohl bei meiner Internistin abklären lassen. Merkwürdigerweise (oder beruhigenderweise?) habe ich grade letzten Freitag von der Ärztin ja erfahren, dass bei dem Thrombophilietest nichts herausgekommen ist. Sie sagte übrigens auch etwas von keine auffälligen Antikörper oder so. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was alles getestet wurde (ich dachte nur Gerinnung), und habe irgendwie auch nicht richtig aufgepasst letzte Woche, weil ich wieder einmal zu geschockt von meinem aufmüpfigen Körper war. Tja, mal gucken, was für eine Überraschung mich jetzt wieder erwartet! Ich versuche mir erstmal so wenig Sorgen wie möglich zu machen und vor allem NICHT ZU GOOGLEN!

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13. SWW – eine Gratwanderung

Mal wieder viel zu spät, aber wenigstens noch heute am Samstag. Nachdem ich die Woche schon wieder zweimal bei 60,3 kg war, sagte sie heute Morgen glatt 60,0 kg. Weil ich aber da schon mindestens 100ml Wasser getrunken hatte, würd ich sagen…

Gewicht: 59,9 kg

Sport: 40 Minuten Joggen; 80 Minuten Power Yoga

Naja, sag ich mal. Meine Ernährung war die Woche eine Katastrophe: Dank der Berlinale habe ich als Lunchoption Street Food Trucks gehabt. Und seit Freitag vor einer Woche hatte ich vier mal Burger, einmal Pizza und einmal Kässpatzen. Dann war ich Dienstag noch auf einer Berlinale-Party und habe viel zu viel getrunken und war erst um drei zu Hause, obwohl ich um sieben aufstehen musste. Aber hey der dämliche Schwangerschaftstest – rein weiß an ES+12 – war quasi mein Freifahrtsschein und wie oft macht man sowas unvernünftiges schon noch?! Gestern gab’s auch ordentlich Champagner und Crémant im Büro (fragt einfach nicht…) und heute feiern wir M.s Geburtstag mit Freunden und sicherlich viel Gin Tonic nach. Es wird dringend Zeit für die Fastenzeit!!!

12. SWW

Nachdem die Waage am Donnerstagmorgen böse 60,3 kg anzeigte, bin ich heute seeeeeehr unsicher auf das Teufelsding gestiegen, aber…

Gewicht: 59,7 kg

Sport: 80 Minuten Poweryoga; 45 Minten Joggen

Puh! Glück gehabt. Aber auch zweimal Sport diese Woche, auf die ich sehr stolz bin. Denn grade das Joggen hat etwas Überwindung gekostet, da ich bis vor ein paar Tagen echt ziemlich fieses Unterleibsdrücken hatte. Jetzt weiß ich ja auch, warum. Jetzt werde ich auch gleich in die Laufsachen springen, da draußen die Sonne scheint. Und morgen schaffe ich es hoffentlich auch wieder zum Poweryoga.

 

Mein Körper außer Rand und Band

Nachdem ich den „Schock“ über den Abbruch der IVF letzte Woche eigentlich ganz gut verkraftet hatte, war heute der Ultraschalltermin. Es sollte nachgeschaut werden, ob der hübsche, ehrgeizige und mehr als durchsetzungsstarke Leitfollikel gesprungen ist und dann die Downregulation begonnen werden. Anscheinend sollte aber auch geschaut werden, ob die anderen Follikel sich brav zurückgebildet haben… Davon hätte man anscheinend ausgehen können. Nur war dem nicht so. Weil mein Körper schon wieder gemacht hat, was er will. Zitat: „So würde man es erwarten, wenn wir nicht abgebrochen hätten.“ Die kleinen Follikel von letzter Woche haben sich ordentlch „aufgeplustert“ – um auch hier ihre Wortwahl zu übernehmen. Das erklärt übrigens auch, warum ich die ganze Zeit Schmerzen wie um eine Punktion herum hatte. Als ich darauf hin fragte, ob wir dann vielleicht nicht hätten abbrechen sollen, sah sie mich nur schweigend an. Wohl gemerkt war es ja heute wieder die andere Ärztin. Wahrscheinlich wollte sie ihr nicht in den Rücken fallen. Und ich werde jetzt einfach nicht darüber nachdenken, weil ich sonst ernsthaft ausflippe!!! Was heißt das jetzt? Natürlich nichts Gutes. Nachdem wir kurz vor dem Ultraschall noch über die Vor- und Nachteile der Depotspritze versus Nasenspray geprochen hatten, riet sie mir nun ganz deutlich zur Depotspritze, da ich sonst im schlimmsten Fall sechs bis acht Wochen täglich zweimal das Spray benutzen müsste.das darüber hinaus sehr fehleranfällig sei. Bei der Zahl wurde mir erstmal schlecht. Verursacht mein ungehorsamer Körper jetzt echt eine so lange Verzögerung??? Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Aber in zwei Wochen, wie eigentlich geplant, werden wir wohl nicht mit der Stimulation beginnen können. Eher eine Woche später, schlimmstenfalls zwei, das heißt ab jetzt spätestens in vier Wochen. Nichtsdestotrotz soll ich in zwei Wochen zur Kontrolle kommen, denn „wer weiß, was wir dann sehen… mit dem Befund heute konnte ja auch keiner rechnen!“ Großartig. Mein Körper ist also außer Rand und Band. Dachte sich wahrscheinlich, er zeigt  nochmal richtig, was er drauf hat, bevor wir ihn in die Zwangsjacke stecken.

Apropos: Ich hatte vor dem Termin heute etwas große Sorge wegen dieser Depotspritze, da ich im Internet gelesen hatte, dass diese zum Teil drei Monate wirkt und somit für längere Zeit einen natürlichen Zyklus unterbindet. Da wir ja auf natürlichem Weg immer noch den Hauch einer Chance haben, wollte ich nicht riskieren, nach einer nicht erfolgreichen IVF zwei Monate weder ganz natürlich noch per natürlichem Kryozyklus unser Glück versuchen zu dürfen. Da konnte mich die Ärztin jedoch beruhigen. Das Medikament, das sie einsetzen (Enantone statt Decpeptyl, von dem ich ausging), sei nicht so stark und würde meinen natürlichen Zyklus maximal um zwei Wochen dann verschieben. Das Depot ist an sich für vier Wochen ausgelegt. Also habe ich mir das geben lassen. Ein bisschen spooky: Das Zeug wird gleich nach dem Spritzen fest und bildet so einen… Donut unter der Haut. Der bleibt jetzt auch erstmal da, bis das Zeug abgebaut ist. Super sexy… NOT!

Während ich auf die Schwester für die Spritze wartete, fiel mir dann noch etwas ein: Wenn die Follikel sich jetzt gar nicht zurück gebildet haben, sondern im Gegenteil noch fröhlich gewachsen sind – bekomme ich dann nicht ein Progesteronproblem??? So und hier muss ich gleich mal selbst eingreifen. Denn eigentlich wollte ich jetzt schreiben, dass ich genau das dann nochmal die Ärztin gefragt habe, die aber meine Frage nicht zu verstehen schien und nur meinte, es sei alles in Ordnung. ABER jetzt, wo ich es noch einmal gegoogelt habe, geht mir auf, dass ich auch nach über zwei Jahren Kinderwunschwahnsinn einige Basics immer noch nicht drauf habe. Ich habe bis eben tatsächlich gedacht, dass die sich zurückbildenden Follikel, die eben nicht Leitfollikel geworden sind, den Gelbkörper bilden, ABER (oh ja, gleich noch ein großes aber) das ist totaler Quatsch! Der Gelbkörper entsteht aus den Resten des geplatzen Follikels, nachdem das Ei dort hinaus gehüpft ist. Auweia!!! Warum wusste ich das nicht? Nun ja, man lernt anscheinend nie aus. Jetzt weiß ich es und verstehe auch die Verständnislosigkeit meiner Ärztin! Die sich nicht zurückgebildeten Follikel sind zwar ein Problem bzw. ein Hindernis für einen zeitnahen Beginn der Stimulation, aber stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Progesteron, was ich für eine vielleicht – ganz vielleicht – bestehende Schwangerschaft jetzt benötigen würde. Die Depotspritze ist da übrigens auch nicht kontraproduktiv (das hatte ich allerdings vorher auch schon ergoogelt), sie würde wohl einfach „keine Angriffsfläche finden“, falls ich jetzt wirklich schwanger sein sollte. Allerdings machte die Ärztin leider überhaupt nicht den Eindruck, als würde sie an diese Möglichkeit glauben. Was mich irgendwie traurig macht, obwohl ich ja selbst nicht dran glaube. Dennoch musste ich mich den gesamten Morgen und Vormittag sehr beherrschen nicht loszuheulen. Ich bin direkt zur Arbeit gefahren, losheulen wäre also blöd gewesen. Es ist/war eine Mischung aus einer weiteren Enttäuschung, weil es nochmal länger dauert, bevor wir weitermachen können, der Verzweiflung, dass mein Körper anscheinend kaum in den Griff zu bekommen ist und es demnach immer und immer wieder neue Überraschungen geben kann, und der sich aufdrängenden Gewissheit, dass es doch wirklich unwahrscheinlich ist, dass mein Körper jetzt plötzlich eine spontane und intakte Schwangerschaft aus diesem Chaos zaubern kann. Und wie sehr man sich doch wieder von der fiesen Hoffnung hat einlullen lassen, merkt man ja erst, wenn es zu spät ist… Weil das aber auch alles noch nicht genug ist, kommt jetzt natürlich wieder ein Terminproblem hinzu. Ich habe es ausgerechnet: Sowohl bei einem Start in drei als auch in vier Wochen, dürften Punktion und/oder Transfer natürlich NATÜRLICH N-A-T-Ü-R-L-I-C-H mit der Parisdienstreise kollidieren. Und auch wenn ich bisher bereit war, für diesen Scheiß hier einiges zu opfern und notfalls auch kurzfristig eine Dienstreise „wegen Krankheit“ abzusagen, will und werde ich Paris nicht canceln! Der Mann sagt allerdings, ich soll jetzt aufhören auf diesen Kalender zu starren und hin und her zu rechnen, weil ich es eh nicht ändern kann und mich nur unnötig stresse. Da hat er vermutlich recht. Wir werden dann aber in zwei Wochen vor dem nächsten Termin darüber sprechen müssen, wie wir vorgehen…. Aber alles zu seiner Zeit. Wir haben ja grade heute wieder gesehen, dass mit meinem Körper planen eh keinen Zweck hat!

11. SWW

Kurz und schmerzlos, weil ich grad schon beim Geburtstag meiner Mama bin:

Gewicht: 59,8 kg

Sport: rien du tout

Tja, beides wieder völlig falsche Tendenz. Ich gelobe Besserung – ob ich es einhalten kann, sehen wir dann wohl… #hauptsacheuntersechzigkilo

Mein Körper gehört in eine Zwangsjacke!!!

Wir erinnern uns an Don’t ask if I’m happy, you know that I’m not – But at best, I can say I’m not sad? Nun, Monsieur Univers Le Connard dachte sich wohl „Na das wollen wir doch mal sehen….“ und hat seine Muskeln spielen lassen. Sehr erfolgreich. Leider.

Gestern war Zyklustag 8, Stimulationstag 6 und der Ultraschall. Die Schleimhaut sehe sehr schön aus, sagte die Ärztin gleich, und dann… sagte sie lange nichts. Schallte und schallte und runzelte die Stirn und seufzte. Dann drehte sie den Monitor zu mir mit den Worten „Das können Sie doch besser.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass irgendwas nicht stimmt. Und war plötzlich froh um meine bisherige Gelassenheit was diese Runde angeht, da ich ansonsten schon in diesem Moment ein Häufchen Elend gewesen wäre. Ich persönlich erwartete übrigens, dass mein linker Eileiter unter der Stimulation jetzt doch wieder auffällig ist und wir das gleiche Spiel wie im Sommer spielen. Aber nein. Das hatten wir ja schon, das wäre ja langweilig.

Also was zeigte sie mir auf dem Monitor? Eine wirklich wunderschön aufgebaute Schleimhaut und auf der rechten Seite ein paar Follikel, die zwar noch Zeit bräuchten, aber eigentlich sehr gut aussahen. Dann zeigte sie mir die linke Seite und einen sehr großen Leitfollikel mit 18mm neben ein paar kleineren Follikeln. Moment… Leitfollikel? Richtig! Das ist das Problem. Unter der Stimulation sollte es keinen Leitfollikel geben, sondern viele gleichentwickelte Follikel. Mein Körper hat sich aber anscheinend nicht darum geschert, was er eigentlich unter der Stimulation machen soll, sondern einen Leitfollikel gebildet und zwar einen übereifrigen, der nicht nur schon kurz vor dem Springen ist, sondern sich auch wie ein Leitfollikel benommen und bereits so viel Östrogen produziert hat, dass die Schleimhaut entsprechend umgebildet ist. Und was bedeutet das? Abbruch! Diesmal vor Punktion. Immer mal was Neues….

Im Detail erklärte mir die Ärztin, dass man natürlich diesen großen Follikel einfach ignorieren und noch etwas weiter stimulieren könne, damit die anderen Follikel noch wachsen. Da aber nun die Schleimhaut aussieht wie sie aussieht, rät sie davon ab, da diese halt nur zu einem bestimmten Zeitpunkt bereit ist, einen Embryo aufzunehmen und den könnten wir jetzt definitiv verpassen. Dafür eine Punktion unter Narkose und vor allem das Verspielen eines bezahlten Versuchs hält sie einfach nicht für sinnvoll. Und ich stimmte ihr voll und ganz zu. Also Abbruch! Vor Ort habe ich noch die Auslösespritze gesetzt bekommen, damit der Follikel auch wirklich springt und wir ihn wenigstens so noch nutzen können. Schön stimulierter GVnP. Yay…. Nachdem nun aber die erste IVF in – Zitat der Ärztin – „mickrigen zwei Eizellen“ resultierte, der zweite Versuch mit fünf auch nicht wirklich super war, wenn man von der tollen Befruchtungsrate mal absieht, empfahl sie einen Protokollwechsel, da ich nun schon sehr hoch stimuliere und bei meinem AMH eigentlich sehr viel mehr Eizellen zu erwarten sind. Das heißt konkret, Termin nächste Woche Freitag (wieder mal bei Frau Dr. B., weil sie nicht da ist; finde ich aber gar nicht schlimm), um zu schauen, ob der Follikel auch brav gesprungen ist und dann Start der Downregulation. Hier kann ich noch entscheiden, ob ich zur Downregulierung ein Nasenspray, das ich alle 12 Stunden nehmen muss, oder eine einmalige Depotspritze haben möchte. Die Kosten des Nasensprays übernimmt die Krankenkasse zur Hälfte und es fällt ein Eigenanteil von 90€ an, die Depotspritze würde 180€ kosten, weil die KK nichts übernimmt. Ich bin übrigens für die Depotspritze, da ich keine Lust habe, mir über 14 Tage (ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie lange die Downregulation dauert…) ständig Nasenspray zu setzen, und auf die 90€ kommt es nun wirklich nicht mehr an.

Und weil das noch nicht genug für einen Termin ist, sprach sie plötzlich auch die Anzahl der einzusetzenden Embryonen an. Ich hatte die Einverständniserklärung für diese Runde dabei, die sie zu den Akten legte, dabei aber feststellte, dass wir noch gar nicht die Embryonenanzahl angekreuzt hatten. Ich sagte beiläufig, dass wir einfach wieder einen machen, oder? Und sie zögerte und empfahl tatsächlich und nachdrücklich zwei!!! Ich war etwas vor den Kopf gestoßen, da wir doch bei den drei Blastos nie darüber diskutiert hatten, sondern immer klar war, dass immer nur einer eingesetzt wird. Nun meinte sie aber plötzlich, dass in meinem Alter eben mit einem Embryo die Chancen nur bei 15-17% lägen, bei zweien schon bei 35-40%. Mein Einwand, dass ich keine Zwillinge möchte aufgrund der körperlichen Belastung etc., tat sie mit einer lapidaren Handbewegung ab. Dass in unserer Lebensplanung auch nur insgesamt ein Kind vorkommt, kommentierte sie damit, dass man seine Lebensplanung einfach mal über den Haufen werfen sollte, da das Leben sowieso immer anders plant als man selbst und es doch auch langweilig wäre, immer zu wissen, was passiert. Ich solle einfach mutig sein und ins kalte Wasser springen, wer nicht wagt, der nicht gewinnt usw. Der Mann tendiert auch dazu. Ich muss noch nachdenken. Und nächste Woche Frau Dr. B. fragen. Die war ja bei der ersten IVF für DET, bei den Blastos dann jeweils für SET. Ich bin nur verwirrt, weil es vor Kurzem eine Studie gab, die herausgefunden haben will, dass DET sogar die Chancen verringern kann, da der Abgang eines schlechten Embryos den anderen mitreißen kann, obwohl der zu einer intakten Schwangerschaft geführt hätte. Aber mit diesem Thema beschäftige ich mich mental und schriftlich dann in nächster Zeit nochmal.

Und dann? Ich fuhr erstmal heulend nach Hause und saß dann heulend auf der Couch in den Armen meines Mannes. Ich war doch wirklich wirklich gelassen in diesen Versuch gestartet. Sogar mit dem Gedanken, dass es kein Weltuntergang wäre, wenn es diese Runde auch nicht klappt. Ein Schritt nach dem anderen und jeder Schritt bringt mich näher an mein Ziel. Aber das? Das ist doch kein Schritt nach vorne. Ist das die Bestrafung dafür, dass ich es zu locker genommen habe? Dass ich es diesmal vielleicht nicht genug wollte? Ich habe das gestern wirklich geglaubt, weil es sich wirklich so angefühlt hat. Als säße MULC höchstpersönlich vor mir, lachte mich aus und schlage mir ins Gesicht. Und auf meinen Körper war ich auch sauer. Dieser Versager, der einfach nicht das macht, was er soll, sondern egoistisch sein Programm fährt und die scheiß Hormonspritzen ignoriert, die ich mir seit Donnerstag in den Bauch jage. Kurzum: Ich war ein Häufchen Elend. War? War! Heute sieht die Welt nämlich nicht nur sprichwörtlich schon wieder viel freundlicher aus. Ja, es ist ein Rückschritt. Aber es ist kein Weltuntergang! Wenn man bedenkt, dass ich bei dem Termin vor gut zwei Wochen noch davon ausgehen musste, dass wir sowieso nicht gleich wieder starten können, ist es nicht mal ein echter verlorener Monat. Zumal ich einen sehr hübschen, ehrgeizigen und mehr als durchsetzungsstarken Follikel habe, der morgen springt und zwar – tadaaaa! – auf der richtigen Seite. Diese Chance haben wir natürlich gestern trotz allem gleich noch genutzt und werden sie heute und morgen auch noch nutzen. Und dann geht es eben nächsten Monat weiter. Die Ärztin avisierte eine Punktion um den 4. März herum, was weder mit einer meiner Dienstreisen kollidiert noch wirklich noch sehr lange hin ist. Also durchatmen, Kräfte sammeln und weiter gehts. Vor MULC werde ich in Zukunft versuchen, so gut wie möglich meine Gedanken und Gefühle zu verbergen, damit er nicht auf blöde Ideen kommt. Und meinen verrückten, eigensinnigen, sich nicht mal von 300 i.E. Pergoveris was sagen lassenden, durch und durch psychopathisch veranlagten Körper… stecken wir halt für die nächste Runde in eine Zwangsjacke!!!

 

 

Die Frage mit den Fragen

Ich wollte das Thema nicht in den anderen Beitrag noch einbauen, aber muss es noch loswerden: Als ich so mit dem Super-GAU spazieren ging und ganz kurz und eher beiläufig meine Situation in Sachen Kinderwunsch ansprach, meinte sie plötzlich ganz ernst, dass sie mich nicht mehr danach fragen würde, nicht aus Desinteresse, sondern, weil sie mich nicht drängen will und ich einfach darüber sprechen soll, wenn mir danach ist. Das ist mir auch schon bei unserem Lieblingspärchen aufgefallen: Sie fragen nicht mehr. Aber auch da merke ich, dass es alles andere als aus Desinteresse ist. Und ich weiß grade nicht, was ich davon halten und wie ich damit umgehen soll. Denn ich selbst habe wiederum gemerkt, dass ich von allein nicht mehr davon anfangen will. Weil ich die Stimmung nicht ruinieren will oder weil ich kein Mitleid will oder weil ich wirklich nicht darüber reden will. Aber gleichzeitig merke ich, dass ich so genau in der gleichen Isolation und Tabuisierung des Themas lande, wie bei den Personen, die es nicht wissen. Und das fühlt sich auch nicht gut an. Wenn mich nicht alles täuscht, hat Frau Mutterherz dazu damals auch etwas geschrieben, es scheint also wie so vieles bei diesem geteilten Schicksal eine normale Entwicklung zu sein. Hilft mir nur grade auch nicht bei der Frage, wie ich damit jetzt umgehe.